Vor einem Jahr überstellten wir unsere Arche vom Fertigungsplatz auf den ersten Stellplatz. Nun können wir auf ein Jahr voller neuer Erfahrungen zurück schauen.

Im März diesen Jahres veröffentlichte ich mein erstes Buch, das sich mit dem Bau und dem Prozess des gefertigten Hauses auseinander setzt. Jetzt nach einem Jahr des Belebens gibt es neue Erkenntnisse und Erfahrungswerte, die es sich zu teilen lohnt.

Allgemeine Erkenntnisse der letzten Zeit.

Mobile Wurzeln

Vom Bedürfnis einen eigenen Platz zu haben, den man bewirtschaftet und kultiviert, sind wir nun einige Schritte weitergekommen. Die geprägte Form von Sesshaftigkeit wurde transformiert in einen Prozess von Annehmen und Loslassen. Also sind die Orte, die sich uns öffnen, Orte an denen wir etwas hinterlassen dürfen, von denen wir Ernten können und Erfahrungen sammeln, um diese zu teilen. Unsere Wurzeln sind mobil und können so zu einem großen Geflecht werden. Anstatt umweltunfreundlicher statischer Bauwerke sind mobile Wurzeln die Möglichkeit natürliche Räume frei zu halten und Kulturen mit Vielfalt zu hinterlassen. Zudem geben sie die Möglichkeit Monokulturen aufzubrechen indem man als Mikrobauer die Böden der Äcker wieder aktiviert. Festgefahrene Strukturen sind das Ambivalent der mobilen Wurzeln. Statische Bauwerke binden und verhaften. Sie erschweren das Loslassen weil sie schwerer sind.

Sie sind träger und schaffen somit träge Strukturen. Mobile Wurzeln können sich den Lebensumständen leichter Anpassen, weil sie leichter sind.

Vorbereitungsarbeiten vor der Landung

Der Platz an dem wir stehen, befindet sich an einem Feldweg zwischen Mischwald und Weideland. Bevor wir den Platz belegten, war es notwendig die Brache zu einem nutzbaren Bereich zu kultivieren. Das ganze aber so sanft und schrittweise wie möglich.

Es wurde mit der Sense ausgemäht,  das Unterholz ein wenig reduziert und die groben Unebenheiten begradigt. Auf der geraden Fläche, wo das Haus seinen Platz finden sollte, wurde ein Gartenfließ aufgebreitet und darüber kamen ca. 10 Kippmulden voll Hackschnitzel. Die Hackschnitzel erweisen sich als Geschenk für den Boden, da Kulturen in den Wald zurück gelangen, welche dort eigentlich auch hin gehören oder in einem natürlichen Kreislauf den eigentlichen Boden bilden würden. Man kann es aufgrund der verschiedenen Pilzarten gut beobachten. Diese Methode erweist sich als sehr sanft und aktiviert den Boden, anstatt ihn mit Schotter oder ähnlichen zu verdichten. Bisher steht das Haus noch auf Rädern und nicht auf den Stützen, da wir uns noch in der Entwicklungs- und Experimentierphase befinden. Zudem ist das Gelände auch zu unwegsam, um das Fahrgestell sorgenfrei auszufahren.

Ohne Wasser kein Leben

Da sich die Arche in der Nähe einer Landwirtschaft befindet, können wir unseren Vorratswassertank nach Bedarf mit einem Gartenschlauch füllen. Wir könnten dieses Wasser zwar Trinken, haben aber die Angewohnheit unser Trinkwasser bei einer Quelle zu holen. Also der Wassertank ist für unsere Körper und sonstigen Reinigungen. Der Wassertank ist zwar isoliert und mit einem Heizkabel versehen, aber bei -20 Grad zu ungeschützt. Also habe ich im Winter den Bereich vom Tank mit Strohballen verbaut. Das Hauswasserwerk, das sich direkt neben dem Tank befindet habe ich bei -15 Grad abgebaut. Die Gefahr des Auffrierens war zu groß. Ich glaube für den dauerhaften Wohnbetrieb ist ein direkter Wasseranschluss (Quelle oder Ortswasser) bzw. ein konstant temperierter Wasserweg für uns notwendig. In der jetzigen Form braucht es bei härteren Bedingungen viel Aufmerksamkeit und Flexibilität.

Für unseren kleinen Garten haben wir zwei Regentonnen, die das Wasser von den Dachflächen sammeln. Das funktioniert bisher spitze, da wir ohnehin ein niederschlagreiches Jahr haben. Wichtig ist, sie gut zu verschließen oder ein Insektennetz zu spannen wenn man keine Blutspendestation errichten möchte.

Vom Garten zum Klo, vom Klo zum Garten

Da wir auf unbestimmte Zeit am jetzigen Ort verweilen, sind unsere Handlungen und Veränderungen am Ort selbst improvisiert und experimentiert. Unsere Hochbeete haben wir aus Paletten gefertigt. Anstatt einer Folie haben wir Kartons an den Innenwenden verwendet. Diese halten bisher ausreichend die Erde im Beet. Die Erde bzw. der Humus ist ein Gemisch aus dem was uns der Wald gibt und Humus von einem Bauern aus der Nähe. Erde in Plastiksäcken zu kaufen scheint mir ein zu vermeidender Trend (Katastrophe) zu sein. Wenn die Paletten ausgedient haben, kommen sie auf die Feuerstelle. In der Zwischenzeit entwickelt sich in der Kompostierstraße neuer Humus. Diese Straße besteht aus drei Häufen: 1. Geäst mit Laub, 2. Kot mit Erde, 3. Küchenabfälle. Je nach unserer Verweildauer werden diese Häufen vermischt und so nutzbarer Humus erzeugt. Der Kot stammt von unserer Trockentoilette und ist bereits bei der Entleerung geruchsneutral. Das Einstreu leistet dazu seinen Beitrag. Dieses kreiert sich je nach meiner aktuellen Handwerkstätigkeit (Ziegelstaub, Sägespäne, Asche etc.) oder das was mir begegnet. Unser Urin wird in verdünnter Form der Jauche für die Weide beigegeben, da wir bei der Trenntoilette dem Urin immer ein Becherl Wasser hinterher schicken. Dann gibt es so gut wie keine Geruchsbelästigung der eigenen Ausscheidung.  Um aus unseren Garten auch wirklich etwas ernten zu können, haben wir einen flexiblen Weidezaun aufgestellt, um die Rehe nicht zu sehr zu verwöhnen.  Dieser ist handlich und mobil. Die Rehe kommen uns trotzdem besuchen und wir dürfen sie beim Klee fressen beobachten.

Dank der Sonne können wir den Rasen mähen

Würde die Sonne nicht scheinen, könnte der Rasen nicht wachsen und würde die Sonne nicht scheinen, könnten wir den Rasen nicht mähen. Es handelt sich um ca. 300qm sich lohnende Mähfläche auf der man den Ball kicken kann. Diese mähen wir mit einem Elektrorasenmäher vom Flohmarkt um 15 €. Er ist ein Allesfresser und wenn die Sonne scheint haben wir keinen merkbaren Verbrauch bei der PV-Anlage. Die restlichen Flächen werden mit der noch sparsameren Sense oder Sichel gemäht.

Freunde aus dem Wald

Im vergangenen Herbst waren wir noch sehr sporadisch in unserer Arche. Dies nahmen sich Ameisen und Marienkäfer zur Gelegenheit, sich ihr Winterquartier zu errichten. Hierzu empfiehlt es sich zumindest die Fenster zu schließen, wenn man länger nicht vor Ort ist. Das höflich nach draußen bitten der ungebetenen Gäste ist mir die liebste Methode, allerdings brauchen sie meist eine Drohung und meinerseits viel Geduld, um sie nachhaltig zu einem Bewusstseinswandel und nach draußen zu begleiten. Bei den Zecken, die uns in diesem Jahr belagern, befinden wir uns in einem territorialen Kampf, der uns zum Konsum von Kokosöl und Schwarzkümmelöl führt. Der Vorteil dabei ist die nähere Auseinandersetzung mit unserem Körper. Also ein ähnliches Verhalten wie bei anderen Primatenarten.

Für den nächsten Winter

Im vergangenen Winter war uns der Daueraufenthalt aufgrund der langen Frostperioden nicht möglich. Hierzu bedarf es noch an kleinen Optimierungsarbeiten, um den nächsten Winter gemütlich und warm zu verbringen. Erfreulich ist, dass wir nicht erfroren sind. Unser Badeofen leistet nämlich einen super Dienst, allerdings wird er nun mit einem Wärmetauscher und zwei Heizkörpern erweitert, um für eine effektive Wärmeverteilung zu sorgen. Also ein eigenständiger Heizkreislauf, der mit dem Badewasser den Wärmetauscher erhitzt. Die Schlafkabine im Obergeschoss ist nur leicht gedämmt und wird mit zwei Heizluken die vor dem schlafengehen geöffnet werden in wenigen Minuten angenehm warm. Von 0 Grad bis zu den Hitzeperioden ist das Wohngefühl und Leben allerdings in allen Belangen jetzt schon wunderbar. Die Energieeffizienz eines Tipis ist somit erreicht.

 

Die Optimierung der eigenen Ökonomie

Zeit, Raum und Energie sind die wirtschaftlichen Eckpfeiler. Die Reduktion bzw. der Verzicht von geprägten Notwendigkeiten schenkt die genannten Eckpfeiler. Ein Beispiel: keinerlei Chemikalien sowie Reinigungs- oder Toilette Artikel zu verwenden gewinnt Zeit, Raum und Energie. Erhält zudem noch die natürliche Schutzschicht auf der Haut und entlastet auch die von Mutter Erde. Holzabfälle sind unsere Wärmespender und Paletten sind unsere Treppen. Das was andere zum Müll werfen ist oftmals wertvolle Ressource, welche gelagert oder verbaut wird. Auch wenn wir uns noch nicht in der vollen Nutzung unseres mobilen Lebensraums befinden, fühlt es sich wie der für uns richtige Weg zu einem selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Leben an. Die Freude und Ruhe an dem Ort bringt uns zum Wesentlichen und befreit von den unzähligen Einflüssen und Überflüssigen der Urbanität.

Mahalo von Herzen

Mahenjo